Die Kasernenstadt Hillersleben - ein Standort verschwindet

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Die Kasernenstadt Hillersleben - ein Standort verschwindet

 

Hohläugige Wohnhäuser, ein leerstehendes Krankenhaus, ein Kraftwerk, endlose Kasernenblocks und verwaiste Sportanlagen stehen hier inmitten eines inzwischen undurchdringlichen Dschungels wildgewachsener Pappeln. Vor den Toren des beschaulichen Ortes Hillersleben im Norden von Sachsen-Anhalt liegt heute eine Geisterstadt. Das verlassene Kasernengelände ist ein Stück konservierte Geschichte - die Geschichte der Sowjetarmee in Deutschland.

Bereits Mitte der 1930er-Jahre wird Hillersleben bei Magdeburg zum Militärstützpunkt. In einer der größten Rodungsaktionen in Europa lassen die Nationalsozialisten ganze Dörfer in der Colbitz-Letzlinger Heide von der Landkarte verschwinden. Es entsteht die Schießbahn der Heeresversuchsanstalt Hillersleben. Heute ein 30 Kilometer langes und 12 Kilometer breites Niemandsland - hier wurden die modernsten und gefährlichsten Artilleriewaffen der Wehrmacht getestet.

Neben der  Heeresversuchsanstalt Hillersleben, erforschte die Wehrmacht an den Heeresversuchsanstalten Kummersdorf-Gut, Mittersill (Ostmark), Munster-Nord und Peenemünde streng geheim die Wirkweise neuer Waffentechnik.

Mit Heeresversuchsanstalt wurden in der Zeit des Nationalsozialsmus  Versuchsstellen des Heeres zur Erforschung und Erprobung neuer Waffentechnik bezeichnet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945 übernahm die Rote Armee den damals hochmodernen Militärstützpunkt.  Nach und nach entsteht in der Colbitz-Letzlinger Heide einer der größten und geheimsten Truppenübungsplätze außerhalb der Sowjetunion. Truppenbewegungen, Tiefflüge, Panzergefechte und Bombenabwürfe der Roten Armee unterlagen keinerlei Beschränkungen und  prägten fast 50 Jahre den Alltag ihrer Deutschen Nachbarn. Etwa 30.000 sowjetische Militärangehörige der 47. Panzerdivision waren in der Kasernenstadt in Hillersleben stationiert. Neben einem Dorf mit gerade einmal 800 Einwohnern. "Klein Moskau" nennen die Hillersleber die Militärstadt, es gab Theater und Kinoaufführungen, Tanzveranstaltungen, eine eigene Zeitung, einen eigenen Radiosender und eine moderne Kaufhalle.

Was hinter den Mauern passierte, war streng geheim und für die Dorfbevölkerung tabu. Hillersleben hatte eine strategisch wichtige Position im Kalten Krieg. Die Grenze zur BRD ist nur etwa 30 km von hier entfernt.

 

Nach dem Abzug der Sowjetarmee aus Deutschland im Jahre 1994 übernahm die Bundeswehr den angrenzenden Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide um mit neuester Lasertechnik im lautlosen Schuss künftige  Kampfeinsätze zu trainieren.

Die Kasernenstadt bei Hillersleben wurde jedoch nicht übernommen, denn im nahen Letzlingen wurde die „Altmark Kaserne“ im Jahre 1999 neu erbaut. Das Gefechtsübungszentrum Heer in Letzlingen ist Bestandteil des Gefechtsübungzentrums (GÜZ) Truppenübungsplatz Altmark in der Colbitz-Letzlinger Heide der Bundeswehr. In der Colbitz-Letzlinger Heide sind in den vergangenen 20 Jahren 25.000 Tonnen Munition geborgen und entsorgt worden. Ingesamt gab der Bund dafür bis 2008 rund 360 Millionen Euro aus. Oberstleutnant Thomas Hering, Kommandant des Platzes: "Das Gelände ist zu 20 Prozent bis in 2,50 Meter Tiefe geprüft. Der Rest wurde an der Oberfläche abgesucht, was alle fünf Jahre wiederholt wird. Wie ein Feldstein taucht auch Munition im Laufe der Jahre wieder auf." Der Frost treibe den Munitionsschrott nach oben.

Ähnlich werden Blindgänger auch auf den ehemaligen Truppenbungsplätzen der Roten Armee Klietz und Altengrabow  gesucht. Oberstleutnant Roman Jähnel: "Wir geben jährlich rund fünf Millionen Euro für die Beräumung der Plätze aus. Die eigene Munition entsorgen wir selbst, den Rest nimmt der Kampfmittelbeseitigungsdienst mit.", so die Militärs im November 2013 in der Magdeburger Volksstimme.

In der Magdeburger Volksstimme vom 18. November 1994 wird der Vorsteher des damaligen Bundesvermögensamtes zum Standort Hillersleben zitiert: "Die Liegenschaften werden in den nächsten Wochen zur unentgeltlichen Abgabe in verschiedenen Zeitungen ausgeschrieben. Die Objekte werden vorrangig an private Investoren vergeben, die die nötigen Finanzen besitzen, um dann die Gebäude wieder herzurichten."

Im Jahr 2013 hat ein Hamburger Investor das geschichtsträchtige Kasernenareal für einen symbolischen Preis erworben.

Die Rodung und Abrissarbeiten der historischen Militärgebäude  wurden bis Jahreswende 2013/14 abgeschlossen. Auf dem Ruinenschutt der rund 28 Hektar großen Fläche plant der Investor mit seiner Firma "Watt&Wärme" fast 40 000 Photovoltaik-Module installieren.

Stand Sommer 2014

Auf einer Fläche von 15 Hektar sind auf dem ehemaligen Kasernengelände  40000 Solarmodule montiert worden, die in Kürze elektrische Energie für nahezu 3000 Haushalte in das Netz einspeisen werden. Der finale Netzanschluss und die erste Einspeisung erfolgen voraussichtlich im Mai 2014.

 Auf dem angrenzenden Truppenübungsplatz Altmark wird bis 2017 auf einem 6 Quadratkilometer großen Areal die neue Übungsstadt "Schnöggersburg“ mit mehr als 500 Bauwerken errichtet. Diplom-Ingenieur Falko Balzer, Geschäftsführer des Landesbetriebes Bau, in der Magdeburger Volksstimme: "Nach den Grundsätzen der Stadtplanung haben wir Schnöggersburg entwickelt. Das Zentrum liegt am Fluss. In den Randbereichen gibt es die Autobahn oder das Industriegebiet". Schnöggersburg bekommt ein Elendsviertel, Landwirtschaft, moderne Hochhäuser, ein Regierungsviertel mit U-Bahn und normale Infrastruktur von Supermärkten bis zum Sportstadion. Insgesamt soll die neue Übungsstadt nach vorläufiger Berechnung 100 Millionen Euro kosten.

Die folgenden Aufnahmen dokumentieren den Zustand der Kasernenstadt am 02.März 2013 unmittelbar vor ihrem verschwinden. Diese Dokumentation ist Teil der Ausstellung "Das Erbe der Sowjetarmee in Deutschland" in der Gedenkstätte Deutsche Teilung in Marienborn und befand sich im Raum "Kontext zu heute". Der Ausstellungsbereich "Kontext zu heute" stellt jeweils einen historischen und  räumlichen Bezug zum Ausstellungsstandort dar und zeigt auf, daß das Erbe der Sowjetarmee auch heute in vielen Gegenden Deutschlands noch unbewältigt ist.

Die Dokumentation  "Die Kasernenstadt Hillersleben - ein Standort verschwindet" wird gegenwärtig als aktueller Kontext zum Ausstellungsstandort in der ehemaligen Heeresversuchsanstalt Peenemünde als Teil der Ausstellung "Das Erbe der Sowjetarmee in Deutschland"  bis Dezember 2014 im Historisch Technischen Museum Peenemünde gezeigt.


Offizierkasino  Добро пожаловать! Dobro Poschalowat! Willkommen!

Balkendecke im O-Kasino.

Nach der Rodung der wildgewachsenen Pappeln fallen die historischen Gebäude von 1934.

Die Garnisonskaufhalle Hillersleben am 02.März 2013.

Die Rote Armee betrieb in der sozialistischen Mangelwirtschaft der DDR ein eigenes Versorgungsnetzwerk. Diese Ladengeschäfte in Hillersleben gehörten dazu.

Im Garnisonskrankenhaus Hillersleben.

Operationssaal

Kommandeur-Villa

Wasserspiele Hillersleben

           

Saunabecken im Keller der Kommandeur-Villa, Stehtoilette im Garnisonskrankenhaus, Springbrunnen im Krankenhausgarten.

 

Hillersleben-Stab, im Juni 2013

Das repräsentative Stabsgebaüde mit Nebengebäuden der Heeresversuchsanstalt Hillersleben erwarb der Hamburger Solar-Investor für 1000 (Eintausend) € vom Bund. Den Abriss des historischen Torbogens versucht der Hillersleber Ortschronist und Historiker Klaus-Peter Keweloh mit ersten Bau-sicherungs und Instandhaltungsarbeiten zu verhindern. (Fotos v. Juni 2013)

 

Tankstelle im Technikbereich

Der Befreiersoldat mit deutschem  Kind  auf dem Arm als Symbol des unbefleckten Neuanfangs auf den Trümmern des  zerbrochenem Hakenkreuzes als religiös verbrämter sowjetischer Heldenepos.

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